Montag, 29. Juni 2009

Buchvorschlag

Habe gerade einen Buchvorschlag geschickt bekommen und muss gerade über den Inhalt so herzlich lachen, das ichs einfach mal posten muss :-)


Ein paar Beispiele:

- Schreiben Sie Ihrer Vagina einen Brief, in dem Sie Ihre Vorzüge und Bedürfnisse erklären. Ehrlich gesagt, fände ich eine Frau, die so etwas tut, weniger sexy als ein wenig wunderlich. (Richtig Gedanken würde ich mir allerdings erst machen, wenn die Vagina mit einem eigenen Brief antwortet.)

- Weil Männer "Star Trek" lieben, sollten Frauen ihren Gefühlen Ausdruck verleihen, indem sie dabei vulkanisch ("Wani ra yana ro aisha") oder klingonisch ("qamuSHa'") sprechen. Obwohl auch ich ganz gerne mal "Raumschiff Enterprise" schaue, würden mich solche Sätze von einer Frau kaum besonders in Erregung versetzen. Zumal sie vermutlich völlig falsch betont wären ...

- "Schreiben Sie mit einem Augenbrauenstift Anweisungen auf Ihre Lieblingskörperpartien. Beim Ausziehen wird er sich freuen zu wissen, wo's langgeht." Was ist das, ein Sexratgeber für Taubstumme?

- Dann wieder heißt es, man solle "Darf ich ..?"-Sex versuchen. Also jedesmal fragen: "Darf ich deine Hose ausziehen und meine Finger an deine Lenden legen?" oder "Darf ich meine Brüste über deinem Gesicht schwingen lassen?" Das gehört für Anne West "zu den effektivsten Methoden für mehr Verbal-Action". Soso.

- Wenn selbst das nicht hilft, solle man Dinge reden lassen. Anne West schlägt vor "Hallo, ich bin der kleine feuchte Waschlappen ..." und "Tag, ich bin die schaumige Seife und sooo allein ..." Schreib doch mal der Vagina, liebe Seife, vielleicht wird eine Brieffreundschaft draus.

- Ein Kapitel rät: "Sagen Sie erste Verabredungen kurzfristig ab." Gehen Sie beim Knutschen "nur soweit darauf ein, bis er Sie ausziehen will, dann lassen Sie sich ein Bad ein oder telefonieren mit Ihrer Freundin." Und: "Flirten Sie mit den Kellnern, wenn Sie ausgehen." Sorry, zwischen "erotisch" und "neurotisch" gibt es einen kleinen, aber feinen Unterschied.

Auch der Tipp, sobald frau erstmals die Wohnung eines möglichen Lovers betrete, solle sie heimlich seinen Badezimmerschrank durchforsten ("wenn ich Macken da nicht finde, sehe ich im Kulturbeutel nach"), stößt mich eher ab.

Offensichtlich ist das Bestreben Anne Wests, mit viel Geplapper Seiten zu füllen. Einige Tipps (zum Beispiel Sex auf der Spüle, Sex auf der Fensterbank, Sex im Treppenhaus) wiederholen sich mehrfach. Zwischendrin stolpert man über Passagen wie diese: "Die Jakobsmuschel oder Coquille St. Jacques gehört zur Familie der Kammuscheln und wird auch Pilgermuschel genannt. Sie ist halbrund, die Schale hat zwei eckige Winkel und ist bis zum Rand hin mit strahlenförmigen Rippen versehen. Sie erreicht eine Größe von bis zu vierzehn Zentimetern. Gefangen wird sie von November bis März." Eigentlich erwarte ich von einem Sexratgeber keine Abhandlungen zur Meeresbiologie.

Etwas nervig ist darüber hinaus der bemühte Versuch, besonders "trendy" zu klingen, was vor allem in einem inflationären Denglisch besteht. Hoden heißen bei Anne West "balls", statt gefesselt ist man "bonded", und an einer Stelle heißt es tatsächlich "beware of Mücken". Aber vermutlich sollte ich dankbar sein, dass das Buch nicht halb auf Klingonisch erscheint.

Zuletzt irritiert mich die Fixierung der Autorin, möglichst jede Handlung mit Sex verbinden zu müssen: Sex beim Bettenbeziehen, Sex beim Wäscheaufhängen, Sex beim Spülen, Sex beim Fensterputzen ... eigentlich ist die Frau, die Anne West als "Sexgöttin" bewirbt, vor allem eines: dauergeil. Das mag den Wunschvorstellungen mancher "Bild"-Leser entsprechen, ist aber nicht das, was ich besonders anziehend finde. Was ist beispielsweise mit Klugheit, Warmherzigkeit und Einfühlungsvermögen? Ach nein, das ist ja heute nicht mehr "scharf". Lieber flirtet frau in Begleitung ihres Partners mit den Kellnern, damit Gedanken wie Treue, Zugehörigkeit und Vertrauen erst gar nicht aufkommen können.

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